Aus der Praxis:
Abschluss einer Risikolebens-versicherung trotz Nierenerkrankung

Eine Nierenerkrankung kann den Abschluss einer Risikolebensversicherung deutlich erschweren, aber nicht unbedingt verhindern. Wie die Chancen auf einen erfolgreichen Abschluss in Abhängigkeit von der jeweiligen Nierenerkrankung stehen, erfahren Sie in der folgenden Übersicht.

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Risikolebensversicherung trotz Nierenerkrankung – geht das überhaupt?

Eine Nierenerkrankung im Versicherungsantrag angeben und trotzdem eine Risikolebensversicherung abschließen – für viele Betroffene klingt das nach einem aussichtslosen Unterfangen. Die Sorge ist verständlich: Schließlich gehören die Nieren zu den lebenswichtigen Organen des Körpers, und Erkrankungen des Harntrakts sind für Versicherer ein Thema, das sie ganz genau unter die Lupe nehmen.

Doch die gute Nachricht ist: Eine Nierenerkrankung bedeutet nicht automatisch eine Ablehnung. Ob und zu welchen Konditionen eine Risikolebensversicherung möglich ist, hängt entscheidend von der Art der Erkrankung, ihrem Verlauf und dem aktuellen Gesundheitszustand ab. Der Versicherungsmarkt ist vielfältig – und die Unterschiede zwischen einzelnen Anbietern können erheblich sein.

Unser Ratgeber erklärt, welche Nierenerkrankungen wie bewertet werden, welche Faktoren Versicherer bei ihrer Entscheidung heranziehen und wie Sie Ihre Chancen auf Versicherungsschutz realistisch einschätzen können.

Wie entscheiden Versicherer bei einer Nierenerkrankung?

Wenn Sie im Antrag auf eine Risikolebensversicherung angeben, dass Sie an einer Nierenerkrankung leiden oder gelitten haben, leitet der Versicherer in der Regel einen sogenannten Risikoprüfungsprozess ein. Das bedeutet: Er bewertet Ihr individuelles gesundheitliches Risiko und entscheidet auf dieser Grundlage, ob er Sie

  • zu normalen Konditionen versichert,
  • mit einem Risikozuschlag auf den Beitrag versichert,
  • den Antrag ablehnt.

Diese Entscheidung trifft kein Sachbearbeiter nach Bauchgefühl – sie folgt einem strukturierten Bewertungsverfahren, das auf medizinischen Leitlinien und versicherungsinternen Risikostatistiken basiert. Um alle relevanten Informationen zu erhalten, fordern Versicherer bei einer Nierenerkrankung häufig einen spezialisierten Zusatzfragebogen an.

Anhand Ihrer Antworten und der beigefügten Arztberichte und Befunde erstellt der Versicherer ein Risikoprofil. Dabei spielen sowohl die Diagnose selbst als auch der Krankheitsverlauf, die Behandlung und die aktuelle Nierenfunktion eine zentrale Rolle.

Wichtige Einflussfaktoren auf die Versicherbarkeit

  • Art und Schwere der Diagnose
    Nicht jede Nierenerkrankung ist gleich. Versicherer unterscheiden klar zwischen harmlosen, ausgeheilten Erkrankungen und chronischen oder schwerwiegenden Erkrankungen mit Folgeschäden. Typische Diagnosen im Bereich Niere und Harnwege, nach denen gefragt wird, sind unter anderem:
    – Harnröhren-, Harnblasen-, Nierenbecken- oder Nierenentzündungen
    – Nierensteine
    – Hydronephrose (Harnstau in der Niere)
    – Nierenzysten oder Zystenniere
    – Eingeschränkte Nierenfunktion (Niereninsuffizienz)
    – Geschwulstbildungen
    Je schwerwiegender und je aktiver die Erkrankung ist, desto kritischer wird sie bewertet.
  • Verlauf und Häufigkeit der Beschwerden
    War die Erkrankung ein einmaliges, vollständig ausgeheiltes Ereignis – oder handelt es sich um ein chronisches, wiederkehrendes Leiden? Versicherer fragen nach der Erstmanifestation, dem letzten Auftreten, der Häufigkeit pro Jahr und danach, ob aktuell noch Beschwerden bestehen. Ein einmaliger Harnwegsinfekt vor drei Jahren, der folgenlos ausgeheilt ist, wird völlig anders bewertet als eine jährlich wiederkehrende Nierenkolik mit anhaltenden Beschwerden.
  • Nierenfunktion und aktuelle Befundlage
    Einer der wichtigsten Einzelfaktoren ist die aktuelle Nierenfunktion. Versicherer fragen gezielt, ob eine eingeschränkte Nierenfunktion festgestellt wurde, und bitten um die Vorlage aktueller Befunde und Arztberichte. Entscheidend sind dabei Laborwerte wie der Kreatinin-Wert und die glomeruläre Filtrationsrate (GFR), die Auskunft über den Funktionsgrad der Nieren geben.
  • Blutdruckwerte
    Erhöhter Blutdruck ist sowohl Ursache als auch Folge von Nierenerkrankungen und ein eigenständiger Risikofaktor für die Risikolebensversicherung. Deshalb fragen Versicherer explizit nach den aktuellen Blutdruckwerten. Gut eingestellte Blutdruckwerte können die Risikobeurteilung spürbar verbessern.
  • Behandlung und Medikation
    Die Art der Behandlung gibt dem Versicherer Auskunft über den Ernst der Erkrankung. Gefragt wird nach:
    – Durchgeführten Untersuchungen (z. B. Sonografie, CT, MRT, Nierenröntgen, Nierenpunktion)
    – Medikamentöser Behandlung (Welche Medikamente? Welche Dosis? Wie lange?)
    – Dauertherapien wie Dialyse
    – Operativen Eingriffen, auch ob Organe oder Organteile entfernt wurden
    Eine laufende Dialysepflichtigkeit etwa führt in der Regel zur Ablehnung des Antrags, da sie auf ein fortgeschrittenes Nierenversagen hindeutet.
  • Nierensteine – Anzahl, Seite und letzter Steinabgang
    Bei Nierensteinen interessiert den Versicherer nicht nur, ob Sie betroffen sind, sondern auch: Welche Niere ist betroffen? Wie viele Steine wurden gefunden? Wie viele sind noch vorhanden? Wann war der letzte Steinabgang? Diese Details erlauben eine differenzierte Risikoeinschätzung – einzelne, vollständig abgegangene Steine ohne Folgebeschwerden werden deutlich günstiger bewertet als multiple, dauerhaft vorhandene Konkremente.
  • Auswirkungen auf den Alltag und die Arbeitsfähigkeit
    Versicherer fragen auch, ob die Erkrankung zu Arbeitsunfähigkeit geführt hat oder ob ein Arzt sogar einen Berufswechsel empfohlen hat. Das gibt Hinweise auf die tatsächliche Schwere der Erkrankung und ihre funktionellen Auswirkungen im Alltag.
  • Zeitraum der Erkrankung
    Viele Fragen im Fragebogen beziehen sich auf die letzten drei Jahre, bei Operationen auf die letzten zehn Jahre. Das zeigt: Je länger eine Erkrankung zurückliegt und je vollständiger die Ausheilung ist, desto besser stehen die Chancen auf Versicherbarkeit – manche Erkrankungen werden nach einem beschwerdefreien Zeitraum von mehreren Jahren gar nicht mehr oder nur noch gering risikozuschlagspflichtig bewertet.

Umfassende Übersicht:
Versicherbarkeit je nach Nierenerkrankung

Nachfolgend finden Sie eine Übersicht aller relevanten Nierenerkrankungen. Sie bietet erste Orientierung, ersetzt aber keine individuelle Risikoeinschätzung.

Nierenerkrankungen

Die chronische Niereninsuffizienz ist ein dauerhafter, fortschreitender Verlust der Nierenfunktion, der in fünf Stadien (CKD 1–5) eingeteilt wird. Ursache ist häufig Diabetes mellitus, Bluthochdruck oder eine Glomerulonephritis. Im Endstadium (CKD 5) ist eine Nierenersatztherapie (Dialyse oder Transplantation) erforderlich.

Charakteristische Merkmale

  • Einteilung nach GFR-Wert (glomeruläre Filtrationsrate): Stadium 1 (GFR ≥ 90) bis Stadium 5 (GFR < 15)
  • Oft lange symptomlos, wird häufig zufällig entdeckt
  • Typische Begleiterkrankungen: Bluthochdruck, Anämie, Knochenstoffwechselstörungen
  • Fortschreitend und nicht heilbar, aber verlangsambar

Versicherbarkeit

StadiumGFR-WertVersicherbarkeit
CKD 1–2 (leicht)≥ 60 ml/minOft zu normalen Konditionen oder mit geringem Zuschlag möglich
CKD 3a–3b (moderat)30–59 ml/minZuschlag wahrscheinlich; Ablehnung möglich je nach Begleiterkrankungen
CKD 4 (schwer)15–29 ml/minHäufig Ablehnung; einzelne Spezialversicherer mit hohem Zuschlag
CKD 5 / Dialyse< 15 ml/minIn der Regel Ablehnung

Entscheidende Faktoren: GFR-Wert, Blutdruck, Grunderkrankung (Diabetes?), Proteinurie, Begleiterkrankungen, Medikation.

Nierensteine sind Ablagerungen aus kristallisierten Mineralien und Salzen, die sich in den Nieren bilden. Sie können vom Millimeter- bis zum Zentimeterbereich reichen und verursachen – sofern sie in die Harnwege gelangen – starke, krampfartige Schmerzen (Nierenkolik). Die häufigsten Steinarten sind Calciumoxalatsteine.

Charakteristische Merkmale

  • Starke, wellenartige Flankenschmerzen als Leitsymptom bei Steinabgang
  • Häufig Rezidivneigung: Rund 50 % der Betroffenen erleiden innerhalb von 10 Jahren einen erneuten Stein
  • Behandlung: Abwarten, Stoßwellentherapie (ESWL), Laserbehandlung oder Operation
  • Risikofaktoren: Zu wenig Trinkmenge, bestimmte Ernährung, Stoffwechselstörungen

Versicherbarkeit

SituationVersicherbarkeit
Einmaliger Stein, vollständig abgegangen, keine Folgebeschwerden, > 2 Jahre zurückHäufig zu Normalkonditionen oder kleiner Zuschlag
Rezidivsteine (mehrfach), aber stabil und gut behandeltZuschlag wahrscheinlich
Noch vorhandene Steine ohne BeschwerdenZuschlag möglich; abhängig von Anzahl und Größe
Häufige Koliken, laufende Behandlung, eingeschränkte Nierenfunktion als FolgeErhöhter Zuschlag bis Ablehnung möglich

Entscheidende Faktoren: Anzahl und Größe der Steine, noch vorhandene Konkremente, letzter Steinabgang, Häufigkeit, Nierenfunktion, Blutdruckwerte.

Die Glomerulonephritis ist eine Entzündung der Nierenkörperchen (Glomeruli), die für die Blutfiltration zuständig sind. Sie kann akut nach einer Infektion auftreten oder chronisch verlaufen und führt unbehandelt zu einer fortschreitenden Nierenschädigung. Die Erkrankung kann primär (in der Niere entstehend) oder sekundär (als Folge einer Systemerkrankung wie Lupus) auftreten.

Charakteristische Merkmale

  • Leitsymptome: Blut im Urin (Hämaturie), Eiweiß im Urin (Proteinurie), Bluthochdruck, Ödeme
  • Diagnosesicherung oft nur durch Nierenbiopsie (Nierenpunktion)
  • Verschiedene Unterformen mit sehr unterschiedlicher Prognose (z. B. IgA-Nephropathie, FSGS, membranöse GN)
  • Kann in chronische Niereninsuffizienz übergehen

Versicherbarkeit

SituationVersicherbarkeit
Akute Glomerulonephritis, vollständig ausgeheilt, normale NierenfunktionZuschlag möglich; nach mehreren Jahren Beschwerdefreiheit oft normaler Tarif
Chronische Glomerulonephritis, stabile Nierenfunktion (GFR > 60), geringe ProteinurieZuschlag wahrscheinlich
Chronische Glomerulonephritis mit eingeschränkter NierenfunktionErhöhter Zuschlag bis Ablehnung
Aktive Entzündung, laufende Immunsuppression, fortgeschrittene NierenschädigungIn der Regel Ablehnung

Entscheidende Faktoren: Unterform der Glomerulonephritis, aktuelle Nierenfunktion (GFR), Proteinurie, Blutdruck, laufende Medikation (insbesondere Immunsuppressiva), Biopsie-Befund.

Das nephrotische Syndrom ist kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern ein Symptomkomplex, der durch eine massive Eiweißausscheidung über den Urin entsteht. Ursache sind verschiedene Glomeruluserkrankungen, die dazu führen, dass die Nierenfilterbarriere durchlässig für Eiweiße wird. Typisch sind ausgeprägte Wassereinlagerungen (Ödeme) und ein erhöhtes Thromboserisiko.

Charakteristische Merkmale

  • Leitsymptome: Massive Proteinurie (> 3,5 g/Tag), Eiweißmangel im Blut (Hypoalbuminämie), Ödeme, erhöhte Blutfettwerte
  • Erhöhtes Risiko für Thrombosen und Infektionen
  • Behandlung je nach Grunderkrankung, oft Kortikosteroide oder Immunsuppressiva
  • Verlauf sehr variabel: kann remittieren oder chronisch fortschreiten

Versicherbarkeit

SituationVersicherbarkeit
Vollständige Remission seit > 2–3 Jahren, normale NierenfunktionZuschlag möglich; bei längerer Beschwerdefreiheit günstiger
Rezidivierendes nephrotisches Syndrom unter TherapieZuschlag bis Ablehnung
Aktives nephrotisches Syndrom, laufende ImmunsuppressionIn der Regel Ablehnung

Entscheidende Faktoren: Grunderkrankung, Dauer der Remission, aktuelle Proteinurie, Nierenfunktion, Medikation, Thrombosegeschichte.

Die autosomal-dominante polyzystische Nierenerkrankung (ADPKD) ist eine genetisch bedingte Erkrankung, bei der sich im Laufe des Lebens zahlreiche Zysten in beiden Nieren bilden und das Nierengewebe zunehmend verdrängen. Sie ist die häufigste erbliche Nierenerkrankung und führt bei einem Großteil der Betroffenen bis zum 60. Lebensjahr zu einem Nierenversagen.

Charakteristische Merkmale

  • Genetisch bedingt (Mutation im PKD1- oder PKD2-Gen), wird autosomal-dominant vererbt
  • Langsam fortschreitend; oft jahrzehntelang ohne schwerwiegende Symptome
  • Begleitend: Bluthochdruck, Zysten auch in Leber und Pankreas möglich, erhöhtes Risiko für Hirnaneuersmen
  • Keine Heilung möglich; Therapie zielt auf Verlangsamung der Progression

Versicherbarkeit

SituationVersicherbarkeit
Zufallsbefund, normale Nierenfunktion, junges Alter, gut eingestellter BlutdruckZuschlag möglich; stark altersabhängig
Moderat eingeschränkte Nierenfunktion (CKD 2–3)Erhöhter Zuschlag; Ablehnung möglich
Fortgeschrittene Nierenschädigung (CKD 4–5) oder DialyseIn der Regel Ablehnung

Wichtiger Hinweis für die Praxis: Da ADPKD eine genetische Erkrankung mit vorhersehbarer Progression ist, sind Versicherer hier besonders vorsichtig. Der aktuelle GFR-Wert und das Alter bei Diagnose sind entscheidend.

Die Pyelonephritis ist eine bakterielle Entzündung des Nierenbeckens und des Nierengewebes, häufig als Folge eines aufsteigenden Harnwegsinfekts. Sie kann akut und einmalig auftreten oder chronisch-rezidivierend verlaufen. Bei rechtzeitiger Behandlung mit Antibiotika heilt die akute Form in der Regel vollständig aus.

Charakteristische Merkmale

  • Leitsymptome: Hohes Fieber, Schüttelfrost, Flankenschmerzen, Schmerzen beim Wasserlassen
  • Häufiger bei Frauen; begünstigende Faktoren: Harnwegsobstruktion, Diabetes, Harnsteine
  • Chronische Form kann zu narbigen Nierenveränderungen und Funktionseinschränkung führen
  • Diagnosesicherung durch Urinkultur und ggf. Bildgebung

Versicherbarkeit

SituationVersicherbarkeit
Einmalige akute Pyelonephritis, vollständig ausgeheilt, > 1–2 Jahre zurückHäufig zu Normalkonditionen; kein oder kleiner Zuschlag
Rezidivierende Pyelonephritis (mehrfach pro Jahr)Zuschlag wahrscheinlich; Grundursache entscheidend
Chronische Pyelonephritis mit Narbennieren oder eingeschränkter FunktionErhöhter Zuschlag bis Ablehnung

Entscheidende Faktoren: Häufigkeit der Episoden, auslösende Ursache (z. B. Steine, anatomische Fehlbildung), aktuelle Nierenfunktion, letzter Krankheitsschub.

Die Hydronephrose bezeichnet eine Erweiterung des Nierenbeckens durch einen Harnstau, also eine Abflussstörung des Urins. Sie ist meist Folge einer anderen Erkrankung – etwa eines Nierensteins, einer Harnleiterverengung oder einer Prostatavergrößerung – und kann einseitig oder beidseitig auftreten. Anhaltender Harnstau schädigt das Nierengewebe dauerhaft.

Charakteristische Merkmale

  • Oft als Zufallsbefund bei Ultraschall entdeckt, kann asymptomatisch sein
  • Gefahr der Nierenatrophie (Schrumpfniere) bei langem Bestehen
  • Behandlung zielt auf Beseitigung der Ursache (z. B. Steinentfernung, operative Korrektur)
  • Schweregrade: leicht (Grad I–II) bis schwer (Grad III–IV)

Versicherbarkeit

SituationVersicherbarkeit
Leichte Hydronephrose, Ursache behandelt, normale NierenfunktionZuschlag möglich; günstiger bei vollständiger Rückbildung
Mittelgradige Hydronephrose, stabil, Nierenfunktion erhaltenZuschlag wahrscheinlich
Schwere Hydronephrose, anhaltend, Nierenfunktion eingeschränktErhöhter Zuschlag bis Ablehnung
Beidseitige Hydronephrose mit FunktionsverlustIn der Regel Ablehnung

Entscheidende Faktoren: Ursache und Behebbarkeit, Schweregrad, Seitigkeit, aktuelle Nierenfunktion, Verlauf nach Behandlung.

Einfache Nierenzysten sind mit Flüssigkeit gefüllte, gutartige Hohlräume in der Niere. Sie sind die häufigste Nierenveränderung überhaupt und nehmen mit dem Alter zu. Im Gegensatz zur polyzystischen Nierenerkrankung (ADPKD) sind sie nicht genetisch bedingt, entstehen einzeln oder in kleiner Anzahl und haben in der Regel keine klinische Bedeutung.

Charakteristische Merkmale

  • Oft als Zufallsbefund bei Ultraschall entdeckt, kann asymptomatisch sein
  • Gefahr der Nierenatrophie (Schrumpfniere) bei langem Bestehen
  • Behandlung zielt auf Beseitigung der Ursache (z. B. Steinentfernung, operative Korrektur)
  • Schweregrade: leicht (Grad I–II) bis schwer (Grad III–IV)

Versicherbarkeit

SituationVersicherbarkeit
Einzelne einfache Zyste (Bosniak I/II), normale Nierenfunktion, kein MalignitätsverdachtIn der Regel Normalkonditionen oder kein Zuschlag
Mehrere Zysten, aber eindeutig benigne, normale FunktionKein oder geringer Zuschlag
Komplexe Zysten (Bosniak III/IV) oder unklarer BefundZuschlag bis Ablehnung; zunächst Klärung des Befunds erforderlich

Entscheidende Faktoren: Bosniak-Klassifikation, Anzahl und Größe, Abgrenzung zur ADPKD, aktuelle Nierenfunktion, regelmäßige Kontrollbefunde vorhanden.

Das Nierenzellkarzinom ist der häufigste bösartige Nierentumor beim Erwachsenen. Es entsteht aus den Zellen der Nierentubuli und wird oft als Zufallsbefund entdeckt, da es lange Zeit keine Beschwerden verursacht. Bei frühzeitiger Diagnose und operativer Entfernung sind die Heilungschancen gut; im metastasierten Stadium jedoch ist die Prognose deutlich schlechter.

Charakteristische Merkmale

  • Klassische Trias (Blut im Urin, Flankenschmerz, tastbarer Tumor) heute selten – meist Zufallsbefund
  • Risikofaktoren: Rauchen, Übergewicht, Bluthochdruck, familiäre Belastung
  • Behandlung: primär operative Entfernung (Nephrektomie oder Teilresektion); bei metastasierter Form Immuntherapie/Targeted Therapy
  • Stadieneinteilung nach TNM entscheidend für Prognose

Versicherbarkeit

SituationVersicherbarkeit
Vollständig operativ entfernt (Stadium I), > 5 Jahre tumorfrei, keine MetastasenZuschlag möglich; nach 10 Jahren Beschwerdefreiheit verbessert sich die Einschätzung deutlich
Stadium II, tumorfrei, > 3–5 JahreErhöhter Zuschlag; Ablehnung möglich
Stadium III oder IV, Metastasen, laufende TherapieIn der Regel Ablehnung
Rezidiv oder laufende onkologische BehandlungAblehnung

Entscheidende Faktoren: Tumorstadium bei Diagnose, Zeit seit Operation, Tumorfreiheit (Nachsorgebefunde), Metastasenstatus, Histologie, Begleiterkrankungen.

Nach dem Versagen beider Nieren (terminale Niereninsuffizienz) kann eine Nierentransplantation durchgeführt werden – die Übertragung einer Spenderniere von einem lebenden oder verstorbenen Spender. Die Transplantation verbessert die Lebensqualität erheblich, erfordert aber eine lebenslange Einnahme von Immunsuppressiva, um eine Abstoßungsreaktion zu verhindern.

Charakteristische Merkmale

  • Lebenslange Immunsuppression notwendig (erhöhtes Infektions- und Krebsrisiko)
  • Transplantatfunktion kann über Jahre stabil bleiben, aber auch langsam nachlassen
  • Regelmäßige Kontrolle von Nierenfunktion, Blutdruck und Medikamentenspiegeln erforderlich
  • Transplantatüberleben: im Schnitt 15–20 Jahre bei Lebendspende, 10–15 Jahre bei Leichenspende

Versicherbarkeit

SituationVersicherbarkeit
Stabile Transplantatfunktion, > 2 Jahre nach Transplantation, keine AbstoßungEinzelne Versicherer mit hohem Zuschlag; häufig Ablehnung
Stabile Funktion, > 5 Jahre, gut eingestellte ImmunsuppressionWenige Spezialversicherer möglich; sehr hoher Zuschlag
Abstoßungsepisoden, eingeschränkte TransplantatfunktionAblehnung

Wichtiger Hinweis: Der Zustand nach Nierentransplantation führt bei den meisten Standardversicherern zur Ablehnung. Eine Chance besteht allenfalls über spezialisierte Risikoträger oder den Risikolebensversicherungsmarkt für schwere Vorerkrankungen (z. B. über Lloyd’s of London).

Die diabetische Nephropathie ist eine Folgeerkrankung des Diabetes mellitus, bei der die Nierenfilterkörperchen durch chronisch erhöhte Blutzuckerspiegel geschädigt werden. Sie ist weltweit eine der häufigsten Ursachen für terminales Nierenversagen und entwickelt sich typischerweise nach 10–20 Jahren Diabetesdauer. Frühzeichen ist eine Mikroalbuminurie.

Charakteristische Merkmale

  • Verlauf in Stadien: von Mikroalbuminurie über Makroalbuminurie bis zur Niereninsuffizienz
  • Eng verknüpft mit Bluthochdruck, der die Nierenschädigung weiter beschleunigt
  • Oft begleitend: diabetische Retinopathie, Neuropathie (diabetisches Gesamtbild)
  • Behandlung: optimale Blutzuckereinstellung, Blutdruckkontrolle, SGLT2-Hemmer, ACE-Hemmer/AT1-Blocker

Versicherbarkeit

SituationVersicherbarkeit
Frühe Nephropathie (Mikroalbuminurie), gute Diabeteseinstellung, normale GFRZuschlag wahrscheinlich (kombiniert: Diabetes + Niere); abhängig vom Diabetes-Typ und HbA1c
Makroalbuminurie, GFR noch erhalten (> 60)Erhöhter Zuschlag; Ablehnung möglich
Eingeschränkte Nierenfunktion (GFR < 60)Häufig Ablehnung
DialysepflichtigAblehnung

Entscheidende Faktoren: Diabetestyp und -dauer, HbA1c-Wert, GFR, Albuminurie-Stadium, Blutdruck, Begleiterkrankungen (Herzerkrankung, Retinopathie).

Die Lupus-Nephritis ist eine Nierenentzündung als Folge des systemischen Lupus erythematodes (SLE), einer Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem körpereigenes Gewebe angreift. Die Nierenbeteiligung tritt bei etwa 50–70 % der SLE-Patienten auf und ist eine der schwerwiegendsten Komplikationen der Erkrankung. Die Einteilung erfolgt in sechs Klassen (ISN/RPS-Klassifikation).

Charakteristische Merkmale

  • Leitsymptome: Proteinurie, Hämaturie, Bluthochdruck, Nierenfunktionsverlust
  • Diagnosesicherung durch Nierenbiopsie
  • Behandlung mit Immunsuppressiva (Kortikosteroide, Mycophenolat, Cyclophosphamid)
  • Verlauf sehr variabel: Remission möglich, aber auch Progression zur Niereninsuffizienz

Versicherbarkeit

SituationVersicherbarkeit
Stabile Remission > 3 Jahre, normale Nierenfunktion, niedrige BasismedikationErhöhter Zuschlag; kombinierte Bewertung mit SLE-Grunderkrankung
Aktive Erkrankung, laufende Immunsuppression, eingeschränkte NierenfunktionIn der Regel Ablehnung
Fortgeschrittene Niereninsuffizienz oder DialyseAblehnung

Entscheidende Faktoren: Aktivität des SLE insgesamt, Lupus-Nephritis-Klasse (Biopsie), aktuelle Nierenfunktion, Medikation, Dauer der Remission, Organmanifestationen außerhalb der Niere.

Versicherungsabschluss trotz Nierenerkrankung: Dank professioneller Beratung prinzipiell möglich

Als Spezialisten für die Vermittlung von Risikolebensversicherungen trotz Vorerkrankungen können wir auf etliche Erfolgsfälle verweisen. Hier einige Beispiele direkt aus unserer täglichen Praxis:

Entscheidend für den erfolgreichen Abschluss einer Risikolebensversicherung bei Nierenerkrankungen ist eine professionelle und vor allem vertrauensvolle Beratung sowie das richtige Vorgehen. Dieses gestaltet sich bei uns wie folgt:

  • Nach Kontaktaufnahme mit uns erklären wir den Ablauf der Gesundheitsprüfung bei Risikolebensversicherungen. Wie besprechen das weitere Vorgehen das in der Regel eine anonymisierte Voranfragen bei geeigneten Versicherern ist.
  • Hierfür füllen Sie Gesundheitsfragebögen aus, die neben persönlichen Daten auch detaillierte Fragen zum Krankheitsverlauf, zu Symptomen, Therapien und Rückfällen enthielt. Ärztliche Befunde und Berichte zum bisherigen Verlauf legte sie ebenfalls bei und senden diese Unterlagen an uns.
  • Um eine Ablehnung und damit einen Eintrag in die branchenweite Sonderwagniskartei zu vermeiden, anonymisierten wir die Daten und führten eine unverbindliche Ausschreibung bei mehreren Versicherern durch. So können die Versicherer angeben, wie Sie bei einem möglichen Antrag entscheiden würden ohne das Ihr Namen angegeben wird und ohne das Sie einen Antrag stellen müssen.
  • Nach Rückmeldung der Versicherer prüfen wir die Angebote nach Beitrag, Leistungen und Zusatzoptionen und finden zusammen die beste Lösung für Sie. Sollte keine Lösung mit Angaben zur Gesundheit möglich sein, bieten sich Lösungen ohne Gesundheitsfragen an.

Mehr zum genauen Ablauf der anonymisierten Voranfrage finden Sie hier:

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Langjährige Erfahrung für Ihre Absicherung
Wir finden Lösungen auch bei Vorerkrankungen

In unserer langjährigen Tätigkeit als spezialisierte Versicherungsmakler haben wir bereits viele Mandanten mit den unterschiedlichsten Vorerkrankungen betreut. Unser Vorgehen bei der Vermittlung einer Risikolebensversicherung ist darauf spezialisiert, eine Antragsablehnung und damit eine Eintragung in die Sonderwagsniskartei der Lebensversicherer zu vermeiden.