Grundfähigkeitsversicherung
Schutz für den Fall des Verlusts wichtiger Fähigkeiten

Das eigene Einkommen ist die Grundlage für die finanzielle Sicherheit und Lebensplanung. Unvorhersehbare Ereignisse wie Krankheit oder Unfall können dazu führen, dass alltägliche Fähigkeiten eingeschränkt werden und ein Beruf nicht mehr wie gewohnt ausgeübt werden kann. Neben der Berufsunfähigkeitsversicherung hat sich die Grundfähigkeitsversicherung als eine Alternative oder Ergänzung etabliert. Sie bietet Schutz, wenn bestimmte körperliche oder geistige Fähigkeiten dauerhaft verloren gehen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Die Grundfähigkeitsversicherung ist eine spezielle Form der Einkommenssicherung und eine sinnvolle Ergänzung bzw. Alternative zur Berufsunfähigkeitsversicherung.
  • Die Versicherung ist besonders für Menschen geeignet, die in körperlich stark belastenden Berufen arbeiten oder denen eine Berufsunfähigkeitsversicherung nicht offen steht.
  • Im Gegensatz zur Berufsunfähigkeitsversicherung ist nicht der Beruf ausschlaggebend, sondern der Verlust einer vertraglich definierten Fähigkeit.
  • Die Grundfähigkeitsversicherung kann je nach Tarif als monatliche Rente oder als Einmalzahlung ausgezahlt werden.
  • Eintrittsalter, Gesundheitszustand, Versicherungssumme, Vertragslaufzeit und eventuelle Zusatzoptionen bestimmen die Beitragshöhe.

Was ist eine Grundfähigkeitsversicherung?

Die Grundfähigkeitsversicherung ist eine spezielle Form der Einkommensabsicherung. Sie zahlt eine monatliche Rente, wenn die versicherte Person bestimmte im Vertrag definierte Grundfähigkeiten für einen festgelegten Zeitraum – in der Regel 6 oder 12 Monate – verliert.

Die Grundfähigkeiten gliedern sich wie folgt:

  • Gehen
  • Treppensteigen
  • Knien
  • Bücken
  • Stehen
  • Sitzen
  • Gebrauch der Arme
  • Heben und Tragen
  • Schieben
  • Ziehen
  • Gebrauch der Hände
  • Schreiben
  • Greifen und Halten
  • Fingerfertigkeit und Benutzen einer Tastatur
  • Sehen
  • Hören
  • Sprechen
  • Gleichgewichtssinn
  • Riechen
  • Schmecken
  • Tastsinn
  • Allgemeine intellektuelle Grundfähigkeiten
  • Kommunikative Grundfähigkeiten
  • Fahrerlaubnis PKW
  • Fahrerlaubnis LKW/Bus
  • Fahrradfahren
  • Benutzungen des ÖPNV
  • Bildschirmtätigkeit
  • Smartphone Nutzung
  • Nutzung von Atemschutzgeräten


Der genaue Umfang der versicherten Fähigkeiten hängt vom jeweiligen Anbieter und Tarif ab.

Abgrenzung zur Berufsunfähigkeitsversicherung

Viele Menschen stellen sich die Frage: Worin unterscheidet sich die Grundfähigkeitsversicherung von der Berufsunfähigkeitsversicherung (BU)?

  • Leistungsauslöser:
  • Bei der BU ist entscheidend, ob jemand seinen zuletzt ausgeübten Beruf aus gesundheitlichen Gründen zu mindestens 50 % nicht mehr ausüben kann.
  • Bei der Grundfähigkeitsversicherung ist nicht der Beruf ausschlaggebend, sondern der Verlust einer definierten Fähigkeit.
  • Zielgruppe:
  • Die BU ist für viele Berufe sinnvoll, aber gerade für Menschen in handwerklichen oder risikobehafteten Tätigkeiten oft sehr teuer oder schwer zu bekommen.
  • Die Grundfähigkeitsversicherung kann hier eine Alternative sein, da sie weniger stark nach Berufsgruppen differenziert.
  • Manche Berufsgruppen bekommen sehr schwer bis keine Absicherung bei Berufsunfähigkeit wie z.B. Künstler, Musiker und Schauspieler.
  • Manche Vorerkrankungen hindern am Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung, da ist die Grundfähigkeitsversicherung manchmal eine Alternative
  • Leistungshöhe:
  • Beide Produkte zahlen eine monatliche Rente. Die Höhe richtet sich nach der vereinbarten Versicherungssumme.

Leistungen der Grundfähigkeitsversicherung

Wird eine versicherte Fähigkeit dauerhaft verloren, zahlt der Versicherer die vereinbarte monatliche Rente. Typische Leistungen sind:

  • Monatliche Rente über einen vereinbarten Zeitraum (oft bis zum Rentenalter)
  • Einmalzahlungen bei bestimmten Ereignissen (je nach Tarif
  • Zusatzleistungen wie Beitragsbefreiung bei Arbeitsunfähigkeit oder Unterstützung im Alltag

Vorteile und Nachteile
der Grundfähigkeitsversicherung

Vorteile

  • Schutz unabhängig vom zuletzt ausgeübten Beruf
  • Vergleichsweise günstige Beiträge im Vergleich zur Berufsunfähigkeitsversicherung
  • Klare und objektive Kriterien für den Leistungsfall (Verlust definierter Fähigkeiten wie z. B. Sehen, Sprechen, Hören, Hand gebrauchen, Greifen, Treppensteigen, Gleichgewicht halten, Herz-und Lungenfunktion usw.)
  • Auch für körperlich stark belastende Berufe oder Personen mit Vorerkrankungen oft abschließbar

Nachteile

  • Es sind nur bestimmte Fähigkeiten versichert. Wer arbeitsunfähig wird, aber keine dieser Fähigkeiten verliert, erhält keine Leistung
  • Nicht alle Anbieter decken psychische Erkrankungen ab, obwohl diese in der Praxis häufig zur Berufsunfähigkeit führen
  • Der genaue Leistungsumfang variiert stark von Tarif zu Tarif

Kosten einer Grundfähigkeitsversicherung

Die Beiträge hängen von mehreren Faktoren ab:

  • Eintrittsalter und Gesundheitszustand
  • Versicherungssumme (monatliche Rente)
  • Vertragslaufzeit (z. B. bis zum 60., 65. oder 67. Lebensjahr)
  • Tarifoptionen (z. B. Dynamik, Zusatzleistungen)

Generell sind die Kosten niedriger als bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung, was sie gerade für Menschen mit kleinerem Budget attraktiv macht.

FAQ:
Häufig gestellte Fragen & Antworten zur Grundfähigkeitsversicherung

Die meisten Tarife setzen den vollständigen Verlust oder eine mindestens sechs- bis zwölfmonatige Einschränkung voraus. Eine nur vorübergehende oder geringfügige Einschränkung reicht meist nicht aus.

Das hängt vom Tarif ab. Einige Versicherer haben geistige Fähigkeiten wie Gedächtnis oder Konzentration integriert. Allerdings sind psychische Erkrankungen nicht in jedem Vertrag erfasst.

Ja, viele Versicherer bieten Kombi-Produkte oder die Möglichkeit, beide Versicherungen nebeneinander abzuschließen. Das kann sinnvoll sein, um einen möglichst umfassenden Schutz zu haben.

In der Regel wird geprüft, ob die versicherte Fähigkeit für mindestens sechs Monate verloren gegangen ist. Erst dann besteht Anspruch auf die vereinbarte Rente.

Sollte eine verlorene Fähigkeit teilweise oder vollständig zurückkehren, endet in den meisten Fällen die Leistungspflicht. Manche Tarife sehen Übergangsregelungen vor.

Viele Verträge enthalten Nachversicherungsgarantien. Bei bestimmten Lebensereignissen (z. B. Heirat, Geburt eines Kindes, Immobilienkauf) kann die Versicherungssumme ohne erneute Gesundheitsprüfung erhöht werden.

Die Unterschiede liegen vor allem in der Zahl der versicherten Fähigkeiten, der Definitionen im Bedingungswerk, den Zusatzleistungen und den Beiträgen. Ein Vergleich ist daher besonders wichtig.

Manche Tarife sehen Wartezeiten für bestimmte Erkrankungen vor, insbesondere im Bereich der Psyche. Bei Unfällen gelten meist keine Wartezeiten.

Da die Grundfähigkeitsversicherung nicht an einen Beruf gebunden ist, bleibt der Versicherungsschutz unabhängig von einem Berufswechsel bestehen.

Beiträge zur Grundfähigkeitsversicherung können in der Regel als Vorsorgeaufwendungen geltend gemacht werden, solange der Höchstbetrag für Sonderausgaben nicht überschritten ist.

Fazit: Grundfähigkeitsversicherung ist eine sinnvolle BU-Ergänzung

Die Grundfähigkeitsversicherung ist eine sinnvolle Ergänzung oder Alternative zur Berufsunfähigkeitsversicherung, insbesondere für Menschen in körperlich belastenden Berufen, für Personen, die aus gesundheitlichen Gründen oder aufgrund ihres Berufes keine BU abschließen können. Sie bietet klare Leistungskriterien und einen finanziellen Schutz, wenn wichtige Fähigkeiten dauerhaft verloren gehen. Manche Anbieter bieten auch vereinfachte Gesundheitsprüfungen an, die dann ggf. einen Versicherungsabschluss ermöglichen.

Ein sorgfältiger Vergleich und die individuelle Beratung sind entscheidend, um den passenden Tarif zu finden. Dafür stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.