Warum werden Versicherungsbeiträge erhöht?

Beitragserhöhungen bei Versicherungen sind verständlicherweise unbeliebt, vor allem dann, wenn für den gleichen Leistungsumfang plötzlich mehr Geld gezahlt werden soll. Andererseits gibt es oft keine Alternative, wenn die Versicherer auf lange Sicht leistungsfähig bleiben sollen. Warum Beitragserhöhungen manchmal notwendig sind, versucht der folgende Beitrag zu klären.

Wenig beliebt, aber oft notwendig, damit Versicherer und deren Tarife leistungsfähig bleiben können: die Erhöhung des Versicherungsbeitrages. (Bildquelle: Uwe Schlick / pixelio.de)

Wenig beliebt, aber oft notwendig, damit Versicherer und deren Tarife leistungsfähig bleiben können: die Erhöhung des Versicherungsbeitrages. (Bildquelle: Uwe Schlick / pixelio.de)

Grundprinzipien bei der Errechnung von Beitragshöhen

Dem Versicherungssystem liegt ein solidarischer Gedanke zugrunde, bei dem alle Beitragszahler gemeinsam das Risiko von Einzelnen tragen. Aus dem Pool, in den alle Versicherten einzahlen, wird das nötige Geld genommen, um Schäden regulieren zu können. Bei der Prämienberechnung werden außerdem alle jeweils individuell zutreffenden Risikofaktoren berücksichtigt, um eine faire Beitragshöhe sicherzustellen.

Ob eine Beitragserhöhung in einer Versicherungssparte angebracht ist, wird im Allgemeinen aus der Schaden-Kosten-Quote (S-K-Quote) errechnet. Diese stellt das Verhältnis von Aufwendungen für den Versicherungsbetrieb und der Höhe der tatsächlichen Versicherungsleistungen dar. Wenn diese Quote größer als 1 ist, fährt der Versicherer Verluste ein.

Begründungen für hohe Versicherungsbeiträge in verschiedenen Sparten

Anhand von Beispielen aus verschiedenen Versicherungssparten wird ersichtlich, aus welchen Gründen Beitragserhöhungen nötig sind, damit die Leistungsfähigkeit erhalten wird:

Rechtsschutzversicherung

Diese Sparte ist durch überdurchschnittlich viele Streitigkeiten im Arbeitsrecht starken Belastungen ausgesetzt. Zudem beeinflussen Anlagestreitigkeiten sowie höhere Vergütungen für Rechtsanwälte, die ebenfalls durch den Versicherer bezahlt werden, die S-K-Quote. Unter solchen Umständen ist eine Beitragserhöhung meist nicht zu vermeiden.

Wohngebäudeversicherung

Seit Jahren sind Wohngebäudeversicherungen ein Verlustgeschäft. Allgemeine Preissteigerungen sowie die häufigen Naturkatastrophen in den letzten 15 Jahren führen mittlerweile jedes Jahr zu zahlreichen Versicherungsleistungen in beträchtlicher Höhe. Auch hier sind Beitragserhöhungen unvermeidbar, wenn die Sparte leistungsfähig bleiben soll.

Kfz-Versicherung

Wie Wohngebäudeversicherer schreiben auch Kfz-Versicherer seit Jahrzehnten rote Zahlen. Der Preiskampf zwischen den einzelnen Versicherern zwingt diese dazu, bereits im Vorfeld Verluste einzukalkulieren oder diese Sparte mit den Einnahmen aus anderen Versicherungssparten, über die der selbe Kunde ebenfalls versichert ist, zu finanzieren (sogenannte Querfinanzierung). Als Folge sind teure Beiträge unumgänglich.

Private Krankenversicherung

Versicherer dieser Sparte leiden besonders unter bestimmten politischen Entscheidungen:

  • Kunden, die keine Beiträge zahlen, dürfen aus Gründen der Versicherungspflicht nicht gekündigt werden. Deren Behandlungskosten müssen aber trotzdem vom Versicherer getragen werden.
  • Unisex-Tarife verbieten zudem die Berücksichtigung Geschlechter-spezifischer Erkrankungsrisiken bei der Berechnung der Versicherungsbeiträge.
  • Die steigende Lebenserwartung der Versicherten sorgt für eine Kostensteigerung im Gesundheitssystem. Diese muss ebenfalls von den Versicherern aufgefangen und in Form höherer Beiträge an die Versicherten weitergereicht werden.

Beitragserhöhungen sind wirtschaftlichen Anforderungen geschuldet

Bei Vorwürfen der Geldgier gegen die Versicherer ist zu bedenken, dass es sich bei diesen um Wirtschaftsunternehmen handelt, die gewinnorientiert arbeiten müssen, um ihre Existenz zu erhalten und ihre Mitarbeiter bezahlen zu können. Die Gewinne entstehen dabei nicht aus den Versicherungsbeiträgen, sondern aus Kapitalanlagen oder Erträgen aus Liegenschaften.

Die Realität des Versicherungsgeschäfts gibt außerdem vor, dass Versicherer Kapital benötigen, um im Schadenfall leisten zu können. Dazu muss das Kollektiv aller Versicherten beitragen. Jedes Jahr wird von unabhängigen Treuhändern überprüft, ob eine Beitragsanhebung nötig ist. Dies ist dann der Fall, wenn die für Leistung ausgegebenen Gelder die Aufwendungen durch den Versicherer übersteigen.

Hinweis
Eine Beitragserhöhung zeigt, dass ein Tarif seine Aufgabe erfüllt, nämlich: Die Schäden, die den Versicherten entstehen, werden übernommen. Die Erhöhung sorgt außerdem dafür, dass der Tarif nicht eingestellt werden muss.

Als Fazit kann gesagt werden, dass Beitragserhöhungen bei gleichbleibendem Leistungsumfang zwar unangenehm, aber aus Gründen der Wirtschaftlichkeit und Handlungsfähigkeit der Versicherer oft nicht zu vermeiden sind.