Risikolebensversicherung abschließen trotz Enzephalitis – ein Praxisbeispiel

Eine Risikolebensversicherung hat den Zweck, die Hinterbliebenen des Versicherten nach dessen Tod finanziell zu unterstützen. Nicht nur die normalen laufenden Kosten, sondern zum Beispiel auch Kreditraten und und Ausbildungskosten der Kinder können dann leichter gedeckt werden. Für den erfolgreichen Abschluss einer Risikolebensversicherung ist der Gesundheitszustand des Versicherten ein ausschlaggebendes Kriterium. Deshalb haben es Menschen mit Vorerkrankungen, etwa mit einer Enzephalitis, in der Regel schwerer, eine Risikolebensversicherung erfolgreich abzuschließen.

Enzephalitis birgt für Versicherer ein erhöhtes Gesundheitsrisiko

Enzephalitis ist eine seltene Erkrankung. Hierzulande tritt die häufigste Form, die Herpes-simplex-Enzephalitis, nur etwa bei einer Person pro 100.000 Einwohnern auf. Es handelt sich dabei um eine Gehirnentzündung, die meistens durch Viren ausgelöst wird. Sie kann aber auch durch andere Krankheitserreger wie Bakterien, Einzeller oder Würmer hervorgerufen und durch eine stark geschwächte Immunabwehr begünstigt werden. Besonders gefährdet sind Kinder und junge Erwachsene.

Die Schwere der Entzündung des Gehirns ist von Fall zu Fall ganz unterschiedlich und kann dementsprechend unterschiedlich gut behandelt werden. Es können leichte bis schwere Folgeschäden für den Betroffenen entstehen, die sich auf das weitere Leben auswirken. Bevor ein Risikolebensversicherer einem Antragsteller Versicherungsschutz anbietet, prüft er daher dessen Gesundheitszustand. Denn das Gesundheitsrisiko des Antragsteller ist gleichzeitig auch dasjenige Risiko, welches der Versicherer nach Abschluss der Risikolebensversicherung tragen muss.

Generell ist es aber möglich, trotz einer Enzephalitis-Erkrankung eine Risikolebensversicherung abzuschließen. Wie das konkret einem unserer Mandanten gelungen ist, veranschaulichen wir im folgenden Fallbeispiel.

Wir sind auf Härtefälle spezialisiert

In unserer langjährigen Tätigkeit als unabhängige Versicherungsmakler haben wir bereits viele Mandanten mit den unterschiedlichsten Vorerkrankungen betreut. Unser Vorgehen bei der Vermittlung einer Risikolebensversicherung ist deshalb darauf spezialisiert, eine Antragsablehnung und damit eine Eintragung in die Sonderwagsniskartei der Risikolebensversicherer zu vermeiden.

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Enzephalitis bei einem 26-jährigen Hörakustiker

Herr D. ist Hörakustiker und steht mitten im Leben, als eine Enzephalitis ihn trifft. Eben noch hat er sich mit seiner Frau Möbel für das neue Eigenheim angeschaut, für welches sie einen Bankkredit aufgenommen haben, als ihn plötzlich schwere Kopfschmerzen und Fieber befallen. Da die Schmerzen nicht nachlassen und auch Übelkeit hinzukommt, lässt Herr D. sich ärztlich untersuchen. Dabei stellt sich heraus, dass er an einer Gehirnentzündung erkrankt ist. Da eine Enzephalitis unbehandelt mit einer hohen Sterblichkeit einhergeht, beginnen die Ärzte sofort mit der Behandlung.

Symptome einer Enzephalitis

Die Symptome können je nach Erreger sehr unterschiedlich ausfallen, da verschiedene Gehirnregionen bevorzugt befallen werden. Bei der viralen Enzephalitis kommt es erst nach anfänglich auftretenden grippeartigen Symptomen (Kopfschmerzen, Fieber, Müdigkeit, Muskelschmerzen, Übelkeit) zu den spezifischen Beschwerden der Enzephalitis:

  • Verwirrtheit oder Bewusstlosigkeit
  • Beeinträchtigung von Konzentration und Gedächtnis
  • Verhaltensveränderungen (zum Beispiel Stimmungsschwankungen, Halluzinationen, Verfolgungswahn oder Orientierungslosigkeit)
  • Erbrechen
  • neurologische Ausfälle (zum Beispiel Sprachstörungen oder Lähmungen)
  • Krampfanfälle
  • bei gleichzeitiger Reizung der Hirnhäute (Meningoenzephalitis) Nacken- und/oder Rückensteifheit (Meningismus)

Es ist sehr wichtig, sich bei solchen Symptomen umgehend ärztlich untersuchen zu lassen, denn unbehandelt führt die Herpes-simplex-Enzephalitis in bis zu 70 von 100 Fällen zum Tod. Mithilfe moderner Medikamente und schneller Behandlung sind die Heilungschancen jedoch gut. Allerdings besteht die Gefahr dauerhafter Schäden am Nervensystem.

Durch die rechtzeitige Behandlung konnte Herr D. wieder geheilt werden. Ihm ist allerdings bewusst geworden, wie schnell und unerwartet das eigene Leben in Gefahr sein kann. Deshalb ist es ihm wichtig, seine Frau schnellstmöglich finanziell abzusichern. Denn gerade jetzt, wo sie beide ein Haus gekauft haben, will er seine Frau mit dem finanziellen Risiko auf keinen Fall allein lassen. Herr D. entschließt sich deshalb, eine Risikolebensversicherung abzuschließen.

Risikolebensversicherung und Enzephalitis

Im Rahmen seiner Informationssuche erfährt Herr D., dass seine ausgestandene Enzephalitis als risikoreiche Vorerkrankung gewertet wird. Ein Verschweigen der Krankheit kommt jedoch nicht in Betracht, denn: Werden relevante Angaben zum Gesundheitszustand verschwiegen, leistet der Versicherer unter Umständen nicht oder zumindest nicht komplett! Bei der Gesundheitsprüfung sollten aus diesem Grund immer wahrheitsgemäße Angaben gemacht werden.

Wie viel komplizierter der Versicherungsabschluss ist, hängt von der Ausprägung und möglichen Folgeschäden der Enzephalitis ab. Herr D. entschließt sich, professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen statt zu versuchen, die Versicherung auf eigene Faust abzuschließen. Diese Entscheidung war instinktiv richtig, denn Herr D. Wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass sich seine Chancen durch eine Antragsablehnung nur noch weiter verschlechtern. Wird nämlich ein Antrag abgelehnt, wird der Antragsteller in die Sonderwagniskartei der Versicherer eingetragen und gilt als Härtefall.

Erfolgreicher Versicherungsabschluss dank Ausschreibung

Nachdem uns Herr D. als unabhängige Versicherungsmakler und Spezialisten für Härtefälle kontaktiert hatte, haben wir zunächst seine persönliche und gesundheitliche Situation analysiert. Sämtliche Daten, die auch Kopien von ärztlichen Befunden und Verlaufskontrollen umfassten, haben wir anonymisiert, um als Nächstes eine Ausschreibung zu starten. Dabei handelt es sich um eine unverbindliche Anfrage bei allen Risikolebensversicherern, ob sie bereit wären, Versicherungsschutz zu bieten.

Anhand der anonymisierten persönlichen und gesundheitlichen Daten konnten sich die Versicherer ein umfassendes Bild machen und das Risiko entsprechend kalkulieren. Dabei war es einmal mehr spannend, zu sehen, wie sehr sich die Bewertungen der einzelnen Versicherer unterscheiden. Manche lehnen ab, während andere gegen sehr moderate Beitragszuschläge bereit sind, Versicherungsschutz anzubieten. Diejenigen Versicherer, die Versicherungsschutz gewähren wollten, haben uns ihr konkretes, aber ebenfalls noch unverbindliches Angebot zugeschickt. Unsere Aufgabe war es nun, hinsichtlich der Konditionen und des Leistungsumfangs alle eingegangenen Angebote detailliert zu vergleichen.

Für Herrn D. konnten wir auf diese Weise ein passendes Angebot ermitteln, das preislich und leistungsmäßig überzeugt hat. Letztlich hat sich der Vertragsabschluss für Herrn D. relativ leicht gestaltet, abgesehen von dem Aufwand, alle benötigten Formulare auszufüllen und die erforderlichen Dokumente zusammenzustellen. Dafür muss er muss sich nunmehr aber keine Sorgen um das finanzielle Auskommen seiner Frau nach seinem Tod machen, denn natürlich ist im abgeschlossenen Versicherungsvertrag auch die Enzephalitis-Erkrankungen mitversichert.